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Montag, 30. Mai 2016 13:35

Mit den Stücken »Im wilden Südwesten« und »Tom Sawyer« startet die neue Saison Spätzles-Western im Naturtheater Hayingen

Reutlinger Generalanzeiger 30.05.2016

HAYINGEN. Beste Unterhaltung, Witz, Spannung und Abenteuer verspricht die neue Saison des Naturtheaters Hayingen. Mit dem schwäbischen Spätzles-Western »Im wilden Südwesten« und dem Kinderstück »Tom Sawyer« setzt das neue Regieteam um Jo Schleker und Silvie Marks neue Maßstäbe. Dank der neu gestalteten Bühne  wird das Tiefental zum schwäbischen Eldorado.
Seine Kindheit und Jugend hat Jo Schleker auf der Bühne des Hayinger Naturt-heaters verbracht. Jetzt – nach zehnjähriger Pause – zieht es den Schauspieler und Regisseur gemeinsam mit Partnerin Silvie Marks wieder auf die heimatlichen Bretter zurück.
 Allerdings nicht, um eine Rolle zu besetzen, sondern um Regie in den beiden selbst geschriebenen Stücken zu führen.

Es gibt regelrechte Drehbücher, die neben der Handlung im schwäbischen Dialekt auch genaue Inszenierungen beinhalten. Für die Laienspieler ist dies Neuland und eine Herausforderung. Insbesondere auch deshalb, weil sie auf der Bühne ständig in Aktion sein müssen, sei es auch nur im Hintergrund. »Breitband« nennt Theaterallrounderin Silvie Marks diese Lebendigkeit in allen Szenen.

Natürlich sind bei dieser aufwendigen Inszenierung auch der neue musikalische
Leiter Stefan Wurz und die neue Bühnen- und Kostümbildnerin Jana Fahrbach gefragt. Sie hat aus dem idyllischen Theaterbild im Tiefental eine klassische Westernstadt gemacht, bei der das Geschehen in den Räumen sichtbar ins Freie geholt werden kann. Wände der Dorfschule lassen sich aufklappen und Schulbänke auf die Bühne fahren. Quer über den Dorfplatz verläuft in Verlängerung zum Saloon eine ausfahrbare Bar, an der statt Whiskey Most ausgeschenkt wird.

Die Großzügigkeit der Bühne im Blick und in der Hoffnung, über eine breite
 Besetzung verfügen zu können, sind zwei Stücke aus der Feder von Schleker
 und Marks entstanden, die sich von den Darbietungen der vergangenen Jahre deutlich unterscheiden. Zum ersten Mal wird ein schwäbischer Spätzles-Western zu sehen sein als Weltpremiere mit viel Atmosphäre, einer weiten Landschaft, mit Westernhelden, einem Sheriff, mit einer Saloonbesitzerin und Goldschürfern, die allesamt von einer dunklen Gefahr bedroht werden. »Westernhelden und Schwaben haben viel miteinander  gemein – sie sind einsilbig, maulfaul und dickköpfig, sie haben aber auch einen  großen Gerechtigkeitssinn«, findet das Regieteam und hat all diese Gemeinsamkeiten  in die Handlung einfließen lassen.

»Die Westernästhetik passt hier sehr gut rein«, ist sich Jo Schleker sicher und hat  bei der Inszenierung auch großen Wert darauf gelegt, dass sich Wildwest-romantik mit  schwäbischem Witz vereint. In der Handlung von »Im wilden Südwesten« geht es um ein  verschlafenes Dorf, das – weil die Jugend abwandert – vom Aussterben bedroht ist.
 Im Stollen passieren mysteriöse Unfälle, es gibt ein Bildungsproblem und dann sind  plötzlich auch noch alle Frauen verschwunden. Mit Lasso, Colt und breitem schwäbischem  Dialekt wird mobilgemacht. So kommt es zum großen Showdown, mit dem niemand gerechnet  hat. Rund 60 Darsteller machen das Stück zu einem echten Epos, die eingängige Musik  ist mit den szenischen Vorgängen auf der Bühne eng verbunden.

Mark Twain ist mit dabei
Das Kinderstück hat neben kerniger Livemusik mit einer sechsköpfigen Band auch spannende Abenteuer zu bieten. Aus dem American Boy »Tom Sawyer« wird ein schwäbischer Lausbub, der gemeinsam mit anderen sympathischen Heldenfiguren Liebes- und Abenteuerszenen, humorvolle Streiche und eine echte Kriminalgeschichte auf die Bühne bringt.

Selbst Autor Mark Twain ist höchstpersönlich als Erzähler zu erleben. Die Kulisse
bildet mit Tante Pollys Häuschen samt Gartenzaun, mit Huckleberry Finns Unter-schlupf, der Dorfschule und dem Haus von Kreisrichter Thatcher und seiner Tochter Becky den perfekten Rahmen für die spannende und lustige Handlung, die von den rund 40 Laienspielern in herrlichen Kostümen dargeboten wird. »Do gugget na. Ohne mi gäb’s des älles gar et«, freut sich Mark Twain, der seine eigene Geschichte – mitten aus dem Leben – staunend verfolgt und hier und da Änderungen zu Papier bringt.

Große und kleine Darsteller schaffen aus beiden Stücken in diesem Sommer wunderbare und einzigartige Schauspiele. Allesamt haben sie sich in Rollen-, Theaterpädagogik- und Schauspieltrainingseinheiten darauf vorbereitet und hoffen nun für die anstehende Naturtheatersaison, die Mitte Juni beginnt, auf volle Zuschauerränge. (GEA)