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Montag, 27. Juni 2016 13:49

Naturtheater Hayingen spielt Spätzles-Western

In Hayingen wird ab 3. Juli der schwäbische Spätzles-Western »Im wilden Südwesten« gespielt

Reutlinger General-Anzeiger 27.06.2016


Hayingen. Was das Naturtheater Hayingen jetzt auf die Bühne bringt, hat es in
 der Form noch nie gegeben. Der schwäbische Spätzles-Western »Im wilden
Südwesten« verspricht Spannung, Action, Ironie und jede Menge Gelegen-heiten,sich köstlich zu amüsieren. Ab Sonntag, 3. Juli, wird im Tiefental scharf ausder Hüfte geschossen.
Die Warnung kommt an: »Mir hand nix gega Fremde, solang se sich an onsre Regla haldet«. Ansonsten finden sie sich im Hayinger Naturtheater mit einem »Klötzle Blei« wieder, das sie in ihre Schranken verweist. Von null auf hundert nimmt dieser Western Fahrt auf, der Zuschauer taucht in eine Welt ein, in der noch Zucht und Ordnung herrschen. In der Schule hält der Pfarrer schon mal mit einem Warnschuss aus seinem Revolver die Schüler in Schach, während sich nebenan die Saloondamen auf den Ansturm vorbereiten. Vor dem Bioladen werden Obst und Gemüse drapiert und im Stollen herrscht emsige Goldschürferei. Bis eine Explosion die Idylle erschüttert. Plötzlich ist das Dorf in Aufruhr.

Höchste Präzision gefordert
Jene sieben glorreichen Schwaben, die einst ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben, finden sich wieder ein, um heldenhaft die Bewohner zu retten. Nicht nur der Stollen bröckelt, sondern auch die Gesellschaft durch Bedrohung von außen. Es kommt zum großen Showdown. Fast scheint es, als seien die Laiendarsteller aus ihrer eigenen Haut heraus und in eine andere hinein geschlüpft. Und das während des gesamten Stücks.
»Wir nutzen die komplette Breite der Bühne, überall geht die Handlung weiter, auch wenn sie gerade in diesem Moment nicht im Fokus steht«, erklärt das neue Regieteam Silvie Marks und Johannes Schleker.
Das Leben im Dorf scheint ständig in Bewegung, in allen Bereichen müssen unterschiedliche Einsätze aufeinander abgestimmt sein und wie viele Rädchen ineinandergreifen. Marks und Schleker sprechen von einer »filmischen Insze-nierung«, bei der Ton, Technik und Spiel eine Einheit bilden. Was jedoch in einem Western zu spannenden Szenen zusammengeschnitten wird, muss hier in höchster Präzision ineinanderfließen.

Mehr Akteure denn je
»Beim Schreiben des Stücks hatten wir oft Filmbilder im Kopf. Das musste nun auf die Bühne transferiert werden«, sagt Silvie Marks. In diesem Western steckt jede Menge Humor und schwäbische Ironie, dennoch bedienen sich die Figuren einer Ernsthaftigkeit, ohne die dieser Situationswitz gar nicht erst möglich wäre. Jeden Augenblick rechnet der Zuschauer damit, dass die Pistolen gezogen werden, dabei ist es nur die Mundharmonika, die mit angespannter Miene aus der Tasche geholt wird.
Natürlich hängt die vermittelte Spannung auch von der passenden Musik ab.
Stefan Wurz hat den klassischen Westernsound wie eine Filmmusik als eine Mischung zwischen Einspielung und Livegesang konzipiert.

Über 60 Laiendarsteller spielen in dieser Saison mit, das sind deutlich mehr als
in den vergangenen Jahren. Zahlreiche neue Schauspieler konnten in den Reihen begrüßt werden, einer ist sogar kurzfristig zwei Wochen vor der Premiere aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls eingesprungen.

Und es gibt auch die alten Naturtheater-Hasen, die schon ihre Kindheit auf der
Bühne im Tiefental verbracht haben. Eberhard Herb zum Beispiel. Der 65-Jährige
ist seit 55 Jahren dabei und spielt sowohl im Kinderstück Tom Sawyer wie auch
bei diesem Western mit. »Alle Schauspieler haben in diesem Jahr eine sehr gute
Entwicklung durchgemacht«, freut sich Marc-Philipp Knorr, Geschäftsführer des
Naturtheaters und selbst Akteur.

Was Bühnenpräsenz, Selbstvertrauen und dynamisches Auftreten anbelangt, gehen zahlreiche Akteure in ihren Rollen regelrecht auf. (GEA)