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Dienstag, 4. April 2017 16:13

Bühne mit UNESCO-Anerkennung

Alb Bote 04.04.2017

Hayingen | Das Hayinger Naturtheater gibt es schon seit fast 70 Jahren. Mehrere Verjüngungskuren haben dazu geführt, dass aus dem urwüchsigen Volks- und Bauerntheater ein modernes Non-Profit-Unternehmen als vergnügliche und kreative Attraktion der Stadt geworden ist. Gegründet wurde es aus einem Wunsch der Bürgerschaft heraus, die ihr Bewusstsein zur Tradition hinsichtlich der schwäbischen Mundart und des regionalen Erbes zu einem historisch sehr sensiblen Zeitpunkt  wiederbeleben wollte.

Seit der ersten Spielzeit im Jahr 1949 mit dem Stück „Die Orgelmacher“ gab es auf der Naturbühne im Tiefental fast alljährlich eine Uraufführung mit urig-idyllischem Landschafts- und Lokalkolorit nach Vorlagen des schwäbischen Heimatautors Martin Schleker Senior und später von seinem Sohn Martin Schleker Junior. Beide haben den Stil des Hayinger Naturtheaters über viele Jahrzehnte hinweg mit Lebensweisheiten, Witz, sozialkritischen Themen, amüsanten und ernsten Doppelbödigkeiten sowie Spannung geprägt. Nach und nach erlangte das Laienspiel aus Hayingen überregionale Bedeutung und Bekanntheit. Dies sollte sich auch nach dem erfolgten Generationswechsel nicht ändern. Bühne und Zuschauertribüne wurden renoviert und erweitert, der schwäbischen Mundart blieb man trotz der Verbindung von Tradition und Moderne immer treu.

Das ist nun von der UNESCO belohnt worden. Im Dezember wurde das Naturtheater Hayingen als erste Freilichtbühne im deutschen Verband zum „Immateriellen Kulturerbe“ gekürt. Danach erfüllt es den Anspruch der „Regionalen Vielfalt der Mundarttheater in Deutschland“, weil man sich hier als lebendiges und dynamisches kulturelles Erbe der Region verpflichtet fühlt und diesem Bekenntnis Ausdruck verleiht.

Die Organisationsstruktur basiert wesentlich auf dem Ehrenamt, die Inszenierungen werden mit Mundart als Bühnensprache erarbeitet, während in der Spielweise die besondere, kulturelle Eigenart der lokalen Mundart erlebbar gemacht wird. Doch nicht nur die Sprache wird als gesprochenes Wort tradiert. In Bühnenbauten, Kostümen und Requisiten setzt sich das Naturtheater Hayingen mit den dahinter liegenden Traditionen und handwerklichen Fähigkeiten auseinander. Gearbeitet wird generationsübergreifend und sozial-integrativ.

Der Bund Deutscher Amateurtheater hat das Naturtheater Hayingen dazu animiert, sich mit Videos zu bewerben. „Als kleines Amateurtheater auf der Schwäbischen Alb sind wir wirklich sehr stolz darauf, diesen Titel tragen zu dürfen. Wir können diese Auszeichnung für unser Marketing nutzen. Doch das Logo besitzt nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit einen hohen Wert, sondern auch kulturpolitisch und zur Erschließung von Fördertöpfen“, macht Geschäftsführer Marc-Philipp Knorr deutlich.

Die Freude über die Aufnahme ins bundesweite Verzeichnis sei in Hayingen groß gewesen: „Dies vor allem, weil wir die absolut Ersten im Verband sind“. Das Expertenkomitee der Deutschen UNESCO-Kommission würdigte die lebendige kulturelle Praxis dieser Mundartbühne: „Sprachen, Dialekte und Jargons sind künstlerische Mittel und darstellende Eigenart zugleich. Sie werden im Mundarttheater in besonderer Weise gefördert. Das ehrenamtliche Engagement sowie die generationsübergreifende Beteiligung am Mundarttheater sind bemerkenswert“.

Künstlerische Mittel


Derzeit befinden sich 68 Kulturformen und vier Programme im Register „Guter Praxisbeispiele“. Das Verzeichnis soll von Jahr zu Jahr wachsen und die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in Deutschland sichtbar machen. So ist auch das Hayinger Naturtheater als eine Form des „Immateriellen Kulturerbes“ entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Hier findet sich ein Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, Identität und Kontinuität wieder, all dies wird von Generation zu Generation weitergegeben und fortwährend neu gestaltet.

Auch in der neuen Saison bleibt das Naturtheater Hayingen mit dem Erwachsenenstück „Älles sicher? – Ein futuristischer Albdorf-Krimi „und dem Kinderstück „Das zauberhafte Ländle von Oz“ seinen Grundsätzen treu. Premiere ist am Sonntag, 2. Juli um 14.30 Uhr mit dem Erwachsenenstück, das Kinderstück wird am Sonntag, 11. Juni um 14.30 Uhr zum ersten Mal aufgeführt.

Das Hayinger Naturtheater ist von der UNESCO zum „Immateriellen Kulturerbe“ gekürt worden. Die traditionsreiche Bühne führt heuer „Älles sicher?“ auf, einen futuristischen Albdorf-Krimi.