Das Leben ein Rausch - Heitere Schäferstunden mit Blitz und Donner im Hayinger Naturtheater
"Den halben Landtag" konnte Hayingens Bürgermeister Robert Riehle zur Premiere der 60. Spielzeit des Naturtheaters begrüßen: ein volles Haus, ein munteres Stück, Blitz und Donner nur auf der Bühne.
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07.07.09
FRED KEICHER
Hayingen| Heuer ist das Hayinger Bühnenbild ganz blumig. Geranien vor den Fenstern. Petunien und Studentenblumen. Die Musiker sitzen in einer Rosenlaube. Über die Bühne wölbt sich eine rosenrote Wolke. Von der Wirtschaft zum Rad links, wo es nur am Anfang gemütlich zugeht. Bis zur
Wimsener Mühle recht, wo gleich zu Anfang zu des Mühlrads ruhigem Lauf die Wogen der Liebe für Erschütterung sorgen. Kein Wunder: Die Müllerin hat ein Töchterlein.
Dazwischen das traute Heim der Bruggers, sie mit einem Hang zu übermäßigem Kirchgang, er mit einem Durst für "alkoholische Kaltgetränke", und der Hof des Xanterbauern. Daran lehnt eine Leiter zum Heuboden. Xanter jr. überprüft weniger gewissenhaft, aber umso häufiger, ob noch genug Heu da sei. Diesmal mit der Fanny: "Wenn du mei Ma wärsch, dät i dir Gift gebe!" "Wenn i dei Ma wär, dät i"s nemme!"
Bevor die Szene recht in Schwung kommt, schwebt ein Theatervorhang auf die Zuschauer zu, öffnet sich und wir hören Bauernweisheiten: Der Bauer macht ein Bäuerlein, es muss nicht mit der Bäuerin sein! Derb aber herzlich hat Regisseuer Peter Höfermayer das Stück "Der Schäfer von Hayingen" in eine Nummernrevue verwandelt. Es geht zurück auf den Roman von Martin
Schleker sen., der 1948 erschienen ist, aus dem wiederum 1975 Martin Schleker jun. ein Freilichtspiel gemacht hat.
Gewitter muss im Hayinger Theater sein: Auf der Bühne tritt der Schäfer mit einem "Gottmillionischen Donnerschlag" auf, in der Legende trat er mit einem ab. Auf dem Bildstöckle steht "Die Blitze, sich durchkreuzend, trafen und töteten den brävsten Mann, samt neun mal fünfundzwanzig Schafen, worüber man nur weinen kann."
Die Schlekers dichten dem Schäfer ein dunkles Geheimnis an. Gespielt wird der Mann in Schwarz von einem ernsten, geradlinigen Peter Edelburg, der in einer Doppelrolle das Geheimnis auch aufdeckt.
Die Parallelhandlungen, was "Männer" und "Weiber" und ihre Verhältnisse angeht, sind nicht so tragisch. Bei aller gebotenen Vorsicht ("Mogsch du mi, für de Fall, dass i die au möge dät?") derb und erfrischend direkt. Auch wenn der "Heiratschmuser" (Marc-Philipp Knorr) als Kuppler keinen Erfolg hat, als "Schmusgeld" nur die Vorschüsse verbrät und bei der Müllerin-Tochter (Marie Helene Nille-Hauf) nichts zuwege bringt für den schnöseligen Xanter jr.. Die hat sich für den patenten Schäferssohn Albert (Matthias Herb) entschieden.
Eigentlich wollte Albert eine Lehre als Kupferschmied bei den Bruggers machen, flüchtet aber das geizige Regime der bigotten-heuchlerischen Bruggerin (Ursula Nille). Bruggers (Hermann Herter) Fluchten enden alle weinselig im Wirtshaus "Zum Rad", wo Wolfgang Schneller wirtet, kann auch
keine Langeweile aufkommen. Bruggers Visionen handeln alle von Gläschen: "Sah ein Mann ein Gläschen stehn, Gläschen auf der Theke", singt er ein Couplet von der wunderbaren Gläserverdoppelung: "S"ganze Leben ein Rausch".
Zu den wunderbar leicht und ironisch gespielten Szenen macht wie immer Uli Bühl die Musik. Er bläst manchen Hochzeitsmarsch und macht Anleihen bei der Neuen Deutschen Welle. Wenn der Graf auftritt, mischt er auch mal die Marseillaise drunter. Wie sagt Brugger: "Drei Stunden Gaudi ghet. Des war schö."
Auffällig abwesend sind im Hayinger Naturtheater die akrobatischen Einlagen und die aktuellen Bezüge. Vielleicht ist ja das ein Kommentar zum Darwin-Jahr: "Mama, stimmt"s dass der Mensch vom Affen abstammt? - Was weiß i, wer die Vorfahren von deim Vadder sind."
Neu ist die Rotkreuzhütte, die die Zimmerer-Klasse B der Reutlinger Kerschensteinerschule gebaut hat, und der Schäfermarkt hinterm Froschfelsen, wo es Schaffleisch, Käse, Wolle und Filz, Nudeln, Wacholder- Produkte und andere Alb-Spezialitäten gibt.
Info
Gespielt wird bis zum 6. September jeweils samstags um 20 und sonntags um 14.30 Uhr.