Das Leben ist eine Castingshow
Medientheater-Workshop: Teilnehmer sind begeistert und beweisen alle kreatives Potenzial
Alb-Bote
03.08.09
Medienlandschaft und Alltag machen es vor: Das Leben ist eine Castingshow, geprägt von Selbstinszenierung. Dies hat der Medientheater-Workshop 15 Teilnehmern in den vergangenen zwei Wochen gezeigt.
MARIA BLOCHING
Hayingen Jeder ist, was er ist - oder vielleicht doch nicht? Geht es immer nur darum, sich von anderen mit besonderen Talenten abzuheben? Wo bleibt da die eigene Persönlichkeit und ist sie es überhaupt wert, dargestellt zu werden?
"Wir sind, was wir performen. Wir machen uns besonders, wie in der Castingshow wollen wir herausragen", sind sich Silvie Marks und Johannes Schleker, Studenten der Theaterwissenschaften und Theaterpraxis an der Universität Hildesheim, sicher. Sie haben während der vergangenen zwei Wochen im Naturtheater Hayingen einen Workshop angeboten, der bei 15 Teilnehmern im Alter zwischen 16 und 21 Jahren auf große Begeisterung stieß.
Dabei ging es nicht darum, etwa ein Theaterstück einzuüben und schließlich vorzutragen, sondern vielmehr um basale Schauspielübungen wie Sprechtraining, Auf- und Abgang an der Bühne und insbesondere die Positionierung der einzelnen Persönlichkeiten in der Medienlandschaft. "Bewusst haben wir auf Rollentexte verzichtet und auf Fundstücke zurückgegriffen, zu denen jeder Teilnehmer in seinem persönlichen Bereich einen besonderen Bezug hat", erklärt Schleker, der selbst fast 13 Jahre lang als Neffe von Martin Schleker am Hayinger Naturtheater gespielt hat.
Nur durch Sprache und die Form der Präsenz wurden aus diesen Fundstücken Geschichten, mit Distanz erzählt, aber doch so, dass jeder er selbst bleiben konnte. Am Sonntagabend nun konnten die Teilnehmer auf beeindruckende Weise präsentieren, was sie in diesem Workshop gelernt haben: Eine thematische Aufarbeitung von Castingshows, in denen alle gewinnen und keiner fliegen will, eine Strategien-Darstellung, bei der Persönlichkeiten im Mittelpunkt standen und Medien begünstigend zum Einsatz gebracht wurden.
"In Castingshows passiert etwas und die Medien spiegeln dies wider. Sich hier auf reflektorische Art zu positionieren, hat nichts mit der traditionellen Schauspielkunst zu tun", waren sich die Teilnehmer einig. "Bauer sucht Frau", "Deutschland sucht den Superstar" oder "Dschungelcamp" - immer geht es darum, herauszuragen und individuell zu sein, aber dennoch nicht zu stark von der Norm abzuweichen. Doch wie genau sieht "individuell" überhaupt aus?
Der Workshop ging dieser Frage nach und bot viele Plattformen, auf denen man sich häppchenweise selbst vorführen konnte. Nach und nach wuchsen die Teilnehmer zu einer Einheit zusammen, sie behandelten einzelne Themenblöcke wie "Selbstdarstellung im Medien- und im Lebensalltag" und führten verschiedene Gruppenaktionen durch: Posen, Zitate, Casting-Marathone sowie "Kleider machen Leute, Typen, Klischees und Geschichten". Entstanden sind dabei Werbegags, die mit minimalstem Einsatz von Requisiten, dafür aber mit Mimik, Gestik und verbalen Attacken überzeugen und begeistern konnten.
Es wurden humoristische Tipps gegeben, mit denen sich Castings besser überstehen ließen, außerdem wurde ein Casting-Marathon dargestellt, bei dem alle Teilnehmer höchsten Einsatz zeigten, um ja weiterzukommen und sich von den anderen abzusetzen. "Diese Teilnehmer verfügen alle über ein wahnsinnig hohes kreatives Potenzial", freute sich Johannes Schleker und zog ein durchweg positives Resümee des zweiwöchigen Workshops. Marc-Phillip Knorr vom Naturtheater bezeichnete "Show-Me" ebenfalls als großen Erfolg.
Schon des Öfteren hätte man daran gedacht, etwas in dieser Art zu veranstalten. Nun endlich hätte es geklappt und es werde sicherlich eine Fortsetzung geben, versprach Knorr.