Geschichte:

"So en Lugabeidl - Stückbeschreibung"

Autor: Jürg Schlachter nach "Carlo Goldoni - Der Lügner"
Regie: Jürg Schlachter Musik: Uli Bühl

„So en Lugabeidl“

Auf der Flucht vor einer Liebhaberin zu der seine Liebe erloschen ist, rettet sich der völlig abgebrannte Lebenskünstler Lelio zusammen mit seinem Diener, mit knapper Not in seine Heimatstadt. Doch bevor er seinen steinreichen Vater aufsuchen kann, wird er Zeuge eines abendlichen, romantischen Ständchens und verliebt sich Hals über Kopf in Rosaura, für die das Liebeslied in Auftrag gegeben wurde. Lelio, ein Schlitzohr vom Scheitel bis zur Sohle, kennt auf der Stelle kein Halten mehr und gibt sich bei Rosaura als der Auftraggeber des Sonettes aus. Und Rosaura, von Lelios Charme und seinen äußeren Reizen, durchaus angetan, verliebt sich ihrerseits sofort in den „Lugabeitl“ ... Und das ist der Anfang einer Geschichte von amüsanten Erdichtungen, Erfindungen, Legenden und Ammenmärchen. Schon Martin Luther (1483-1546) stellte fest: „Eine Lüge ist wie ein Schneeball. Je länger man ihn rollen lässt, desto größer wird er.“  

So wird also in Hayingen ab Mitte Juni bis Ende August voller Lust und mit viel Humor „geschwindelt“, „geflunkert“ und „gelogen“. Und das ist keine Lüge!

In diesem Sinne laden wir Sie gerne zu vergnüglichem Theatergenuss ein und freuen uns auf Ihr zahlreiches erscheinen.


Kleiner „Lügenratgeber für den Hausgebrauch

„Wenn alle Menschen immer die Wahrheit sagten, wäre das die Hölle auf Erden.“ – Jean Gabin

Ja, ja, die Wahrheit. Jeder hätte sie gern, aber wer hält sie aus! Und die Hölle auf Erden will natürlich schon gar niemand.

Und so ist das Lügen, Schummeln, Flunkern, Erfinden, Dichten, Mogeln, Tricksen und Bluffen seit man denken kann zu einem ständigen Wegbegleiter von uns Menschen geworden.

Was tut man nicht alles, um der Wahrheit aus dem Weg zu gehen. Andere mag man selten damit brüskieren oder gar verletzen, und wenn einem selbst die Wahrheit gesagt wird, wie schnell ist man doch beleidigt.

„So wie es selten Komplimente gibt ohne alle Lügen, so finden sich auch selten Grobheiten ohne alle Wahrheit.“ (Lessing)

So greift man unentwegt zu „Notlügen“, erfindet „Lügengeschichten“, spinnt „Seemannsgarn“ und „Jägerlatein“, erzählt „Legenden“ und „Räuberpistolen“ bis man am Ende selber dran glaubt.

Man kann nur dankbar sein, dass es einem nicht wie dem weltberühmten Lügner „Pinocchio“ geht. Stellen Sie sich vor, wenn bei jedem „Schummeln“ die Nase wachsen würde. Wie peinlich wäre das einem. Vielleicht aber auch nicht, weil wahrscheinlich alle mit langen Nasen herumlaufen würden.

Drum halten wir es doch einfach mit Wilhelm Busch. Der hat gesagt: „Wer dir sagt, er hätte noch nie gelogen, dem traue nicht.“ Ob er sich wohl selbst über den Weg  getraut hat? Oder James Joyce meinte: „Der Erfinder der Notlüge liebte den Frieden mehr als die Wahrheit.“ Wie auch immer. Bemühen wir uns aufrichtig zu sein und hoffen, dass auch die anderen aufrichtig zu uns sind. Und ab und zu kann ein bisschen „schummeln“ auch sehr charmant sein. Leben und leben lassen. Damit fährt man wohl nicht schlecht, zumal die Moral meistens mit der wahren Wahrheit nichts zu tun hat, schlag nach bei Friedrich Nietzsche: „Überzeugungen sind gefährlichere Feine der Wahrheit als Lügen.“ Unser großer Dichter und Denker Johann Wolfgang Goethe kam der Wahrheit wahrscheinlich sehr nahe: „Man wird nie betrogen, man betrügt sich selbst.“

In diesem Sinne lehnen Sie sich zurück und amüsieren Sie sich beim Zuschauen wie andere sich „winden“, „drehen“ und „abstrampeln“. Es ist doch herrlich, nicht selbst beim „Schummeln“ ertappt zu werden.