Geschichte:

Naturtheater Hayingen – Über uns

Idyllische Natur, ein engagiertes Team und eine inzwischen über 60-jährige Theater-Story – das sind die drei Essentials des Naturtheaters Hayingen. Der schwäbische Mundartdichter Thaddäus Troll befand vor mehr als 30 Jahren, dass die urwüchsigen Volks- und Bauerntheater in Süddeutschland fast ausgestorben wären, eine Ausnahme sei auf der Schwäbischen Alb im Naturtheater Hayingen zu finden. Heute ist das Naturtheater Hayingen ein modernes Non-Profit-Unternehmen, das nach einer recht umfassenden Verjüngungskur wieder zu einer vergnüglichen und kreativen Attraktion der Stadt geworden ist. Inzwischen hat sich dazu sogar der Baden-Württembergische Ministerpräsident geäußert: Winfried Kretschmann ist der Meinung, dass Besucher in Baden-Württemberg  mindestens das Stuttgarter Staatsballett und das Naturtheater Hayingen gesehen haben sollten.

Unsere Geschichte: Positive Traditionen, professionelle Theatermacher und engagierte Bürger

Die Gründung des Naturtheaters Hayingen führt in die Nachkriegszeit zurück und war seinerzeit ein äußerst mutiges Projekt. Den Anstoß dafür gab die 700-Jahrfeier der Stadt im Jahr 1947. Ein Jahr später hieß es in einem Gemeinderatspapier, dass ihre Bürger mit einem alljährlichen Theaterfestspiel am St. Veitstag – dem Jahrestag des Schutzpatrons der Stadt – ein Zeichen für die Verbundenheit mit ihrem Ort und ihre Heimatliebe setzen wollten. De facto hatten sich die Hayinger mit ihrer Theatergründung dafür entschieden, ihre schwäbische Mundart und ihr regionales Erbe zu einem historisch sehr sensiblen Zeitpunkt zur Basis einer positiven Wiederbelebung ihrer Tradition zu machen. Das Gemeinderats-Protokoll vom 25. April 1948 vermerkt ausdrücklich, dass dieser Wunsch von der „Mitte der Bürgerschaft“ getragen werde – deren kreativer Part dann in den folgenden Jahrzehnten als Laiendarsteller im Naturtheater Hayingen auf der Bühne stand.

Die erste Spielzeit im Naturtheater Hayingen startete am 19. Juni 1949 mit dem Heimatspiel „Die Orgelmacher“. Seitdem gab es auf der Hayinger Naturbühne mit ihrem urig-idyllischen Landschaftskolorit fast alljährlich eine Uraufführung. Die Stücke für das Naturtheater Hayingen wurden bis in die 1970er Jahre von seinem Mitbegründer, dem schwäbischen Heimatautor Martin Schleker Senior, geschrieben und über viele Jahre auch als Regisseur begleitet. 1968 übernahm dann sein Sohn, Martin Schleker Junior, das Ruder. Der an der Schauspielschule Stuttgart ausgebildete Schauspieler und Autor hat den Stil des Hayinger Naturtheaters für die kommenden Jahrzehnte mit Erfolg geprägt. Sein Theater für „Kopf und Herz“ verband die Historie der Schwäbischen Alb mit Lebensweisheit, Witz, sozialkritischen Themen, amüsanten oder ernsten Doppelbödigkeiten zu einer spannenden und sehr speziellen Mischung. Die überregionale Bedeutung und Bekanntheit des Naturtheaters Hayingen ist nicht zuletzt Martin Schleker Juniors Theaterstücken zu verdanken.

Generationswechsel und Verjüngungskur in den 2000er Jahren

Die Geschichte des Naturtheaters Hayingen liest sich – mit mehr als 60 aufgeführten Stücken und weit über einer Million Besuchern – auf den ersten Blick als eine ungebrochene Erfolgsgeschichte. Aber: Neue Wege und Konzepte entstehen oft erst aus Krisen und massiven Schwierigkeiten. Für das Naturtheater Hayingen war eine solche Umbruchszeit in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts gekommen. Im Jahr 2004 – zur Aufführung des Stückes „Die schöne Lau“ – waren noch rund 23.000 Besucher nach Hayingen gekommen. Das Stück des nächsten Jahres, „Onser Schiller“, wurde dagegen nur noch von knapp 9.000 Zuschauern gesehen. Rupert Rosenstock - später einer der neuen ehrenamtlichen Geschäftsführer „der ersten Stunde“ - kommentierte damals, dass das Naturtheater Hayingen ein weiteres Fiasko dieser Art nicht überleben würde.

Das  bereits prognostizierte Aus für das Naturtheater Hayingen wurde stattdessen zum Ausgangspunkt einer umfassenden Verjüngungskur. Als ersten Schritt dorthin nahmen die Hayinger Theatermacher einen Generationswechsel in Angriff, den Martin Schleker Junior schon 1999 kommen sah und mit dem Wunsch verband, das eigene Haus mit neuen Leuten und mehr streitbaren Darstellern „offensiver“ auszurichten. Bis 2006 war sein Bruder Heinz Schleker als Geschäftsführer auch der alleinige Manager des Theaters. Nach seinem Rückzug übernahm eine ehrenamtliche Geschäftsleitung mit insgesamt zehn Mitgliedern in verschiedenen Geschäftsbereichen seine Arbeit. Marc-Philipp Knorr, der Werbungs- und Öffentlichkeitsarbeits-Experte des neuen Teams und heutige kaufmännische Geschäftsführer des Theaters, betonte seinerzeit, betonte seinerzeit, dass mit diesem Schritt kein Bruch verbunden sei, man das Naturtheater Hayingen im Stil Heinz Schlekers weiterführen wolle und in der neuen Geschäftsleitung begeisterte Mitspieler ihr Projekt nun auf neue Weise unterstützen. Das Stück des Jahres 2007 – „Der Schmied von Hayingen“ – präsentierte sich trotzdem als Symbol für einen Neuanfang mit „alten und auch neuen Traditionen“: 1948 war es für den Start der Hayinger Theaterfestspiele vorgesehen, wurde damals aber durch die französische Militärregierung untersagt. Für die Aufführung 2007 wurde es – zum ersten Mal seit über 35 Jahren – nicht durch Martin Schleker Junior, sondern durch Marianne Scherrmann bühnenreif gemacht.

Renovierung, neue Ideen und Corporate Identity

Zeitgleich wurde das Naturtheater Hayingen einer gründlichen Renovierung unterzogen – die Präsentation im neuen Gewand hatten die Akteure für die 60-Jahrfeier des Projekts im Jahr 2009 vorgesehen. Bereits ein Jahr vorher konnten die Besucher des Naturtheaters die Aufführungen auf einer modernen überdachten Zuschauertribüne mit fast 1.000 neuen und bequemen Sitzen verfolgen. Auch die Bühne hatten sich die Hayinger Theaterleute – in mehr als 1.000 Stunden Eigenleistung – vorgenommen und dabei die Alb-Landschaft des Naturtheaters sowie diverse Bühnenbauten renoviert. Hinter den Kulissen arbeitete das Team des Naturtheaters Hayingen parallel dazu an einem neuen öffentlichen – und einheitlichen – Erscheinungsbild ihres Projekts mit neuem Logo, einer umfangreichen Internet-Präsenz, einem „Corporate Identity“-Layout für Plakate, Newsletter und Flyer sowie einer modernen und gut gepflegten Internetpräsenz, auf der die Besucher vorab ihre Tickets online ordern können.

Naturtheater Hayingen heute – schwäbische Mundart, Traditionelles und Modernes

Das Revitalisierungsprogramm wirkte sich von Anfang an sehr positiv und vor allem nachhaltig auf die weitere Entwicklung des Hayinger Naturtheaters aus. Bereits 2007 stellte sich heraus, dass der Tiefpunkt offensichtlich überwunden war, seitdem konnte das Naturtheater Hayingen seine Besucherzahlen jährlich um rund 30 Prozent erhöhen. Zur 60-Jahrfeier im Jahr 2009 gab es im Naturtheater Hayingen erstmals wieder einen regelrechten Besucher-Run mit Rekordzahlen und ausverkauften Rängen.

Geschäftsführer Marc-Philipp Knorr sieht „sein“ Theater ein Stück weit als ein „lebendiges Museum“ für die schwäbische Mundart. Die urschwäbischen Stücke schreibt seit 2012 Jürg Schlachter, der -  ebenso wie Martin Schleker Junior – als Schauspieler, Autor und Regisseur an  verschiedenen Bühnen tätig ist. Die Musik für die Hayinger Theaterstücke komponiert seit vielen Jahren der Profi-Musiker Uli Bühl.

2012 hat das Naturtheater Hayingen sein Repertoire erstmals um ein Kinderstück erweitert. Nach dem „Gestiefelten Kater“ steht in der Theatersaison 2013 nun Jürg Schlachters schwäbische Bearbeitung des italienischen Kinder-Klassikers „Pinocchio“ auf dem Spielplan. Für die Kinderstücke gibt es eine eigene Schauspiel-Truppe und damit auch eine tolle Plattform für die nächste Generation der Hayinger Theaterleute.